Rückblick Cyclocross Saison 2025/26
Rückblick Cyclocross Saison 2025/26
Wenn im Herbst die Tage kürzer und das Wetter schlechter wird, tauschen mittlerweile viele das Rennrad gegen das virtuelle Radfahren zu Hause oder vielleicht ganz altmodisch gegen die Rolle im Keller. Einige fahren draußen dann mehr Mountainbike oder Gravel. Wer aber weiter Lust auf Rennen hat, der muss auf das Crossrad. Seit fast 100 Jahren ist diese wohl anspruchsvollste Raddisziplin überhaupt, damit eigentlich Pflicht für jeden echten Radsportler.
Während aber bei uns in NRW die Zahl der Rennen aus verschiedenen Gründen zuletzt zurückging und die eigentlich beliebte NRW Crosscup Serie auf 3 Termine zusammenschmolz, sieht es bei unseren radsportverrückten Nachbarn deutlich besser aus.
Unter dem Namen Limburg Cross Cup (früher Webu Cross bzw. Toma Cycles Cup) schaffen es die Vereine in der Provinz Limburg jedes Wochenende ein Rennen zu veranstalten und diesen Winter sogar tatsächlich rekordverdächtige 19 Termine anzubieten.
Junge Talente aus unserem Verein, wie Robin Sengstock und Ole Theiler standen in der Vergangenheit hier bereits auf dem Podium. Meine Ziele sind natürlich bescheidener. Zwar ist es bereits die vierte Saison für mich hier in den Niederlanden, aber das Niveau ist auch in meiner Altersklasse sehr hoch. Das Feld teilt sich nur in <40 und >40 Jahre. Ganz vorne findet man bei uns Älteren amtierende Landes- und Weltmeister und einige Ex-Profis aus NL oder Belgien. Radfahren können die hier alle und viele haben jahrzehntelange Erfahrung im Rennsport.
Dabei sind die Hürden hier mitzufahren ganz niedrig. Es wird nicht zwischen Hobby- und Lizenzfahrern unterschieden, die Anmeldung geht fix und man muss nicht Stunden vor dem Start vor Ort sein. Anders als bei den meisten Rennserien in Deutschland sind auch Reifenbreiten über 33mm erlaubt, so dass man auch mit vorhandenen Gravelreifen an den Start darf. Die Startgebühren sind mit 10 bis 15 Euro erfreulich niedrig. Das zieht dieses Jahr besonders viele deutsche Starter an. Der Anteil der Deutschen im Rennen liegt meist bei 1/3, manchmal sind wir sogar in der Mehrheit.
Auftakt war dann am 5. Oktober in Baarlo. Rund um einen Reitplatz geht es über, für diese Region typischen sandigen Singletrails und Waldwege. Nach einem trockenen Sommer mit vielen Kilometern in den Beinen und einigen harten Gravelrennen, wollte ich zudem das Umsetzen, was ich bei einem „social ride“ mit Marcel Meisen von ihm abgeschaut hatte!

Ich bin jedenfalls hochmotiviert. 43 Konkurrenten, und so wird es schon an der Startlinie eng. Endlich wieder an der ikonischen Ampel auf „grün“ warten und mit bereits zu hohem Puls den Countdown hören.

2 Minuten nach den Jüngeren geht es dann auf die kurvige Runde, die sicher auch mit einem MTB Spaß macht. Renndauer ist offiziell mindestens 48 Minuten, aber die hintere Hälfte des Feldes benötigt meist länger. So weiß ich nach 53 Minuten schon, worum es dieses Jahr geht: versuchen in der vorderen Hälfte das Rennen zu beenden und innerhalb der deutschen CX Community ganz gut abzuschneiden.
Heute hat das schonmal nicht funktioniert (27./44.). Aber es sollten noch genug Gelegenheiten kommen.
2 Wochen später eine besondere Strecke in Helmond. Rundum um einen Baggersee wurden lange Sandpassagen angelegt. Wir fühlen uns einmal wie die Profis in Hoogerheide. Aber das hier ist keine WM und ich muss mehr laufen als fahren. Das klappt zwar ganz gut, aber es ist weder schnell noch reicht es für eine Platzierung weiter vorne. Es folgen Wochen mit schnellen Kursen auf sandigen MTB Trails wie z.B. in Meijel. Die Achterbahnfahrt mit hunderten Kurven macht Spaß, aber es ist mir etwas zu flach und schnell.

Das Gegenteil dann am 2. November in der Heimat. Auf der Halde in Lünen mit ordentlich Höhenmeter komme ich erstmals in die Top10 (7./17.). Aber irgendwie ist die Konkurrenz hier auch schwächer.
In einer langen Saison ist gesundbleiben fast genau wichtig wie Trainieren und Material in Ordnung halten. So erwischt mich im November ein unvermeidlicher Infekt und ich verpasse ein Rennen hier und dazu noch den Wettkampf in Bonn. Zur NRW Meisterschaft in Nideggen leider auch noch nicht wieder richtig fit.
Also weiter in der Provinz Limburg. Am 7. Dezember noch ein neuer Ausrichter. Man wählte einen Reiterhof in Arensgenhout. Klang recht nett, aber der Regen verwandelte die Weiden und Äcker in ein reines Schlammfeld. Mit dem wahrscheinlich bislang höchsten Laufanteil eine sehr harte Stunde. Dazu folgten noch zahlreiche Stunden, Rad, Kleidung und Auto wieder vom Pferdemist und den Kuhfladen zu reinigen.

Die Zeit um Weihnachten nennt sich „kerstperiode“ und es finden in NL / B praktisch jeden Tag irgendwo Rennen statt. Aber die Arbeit ruft und so bleiben nur die Wochenenden. Für mich geht es zuerst in den Tom Dumoulin Bikepark nach Sittard. Auf meiner Lieblingsstrecke mit zahlreichen Rampen und technischen Elementen erziele ich erstmals die ersehnte vordere Hälfte (16./34.).
Jahresabschluss dann auf der Anlage Herungerberg in Venlo. Im Sommer finden hier Straßen- und BMX Rennen statt. Wir nutzen den komplett neuen MTB Teil der Anlage und fühlen uns wie im Bikepark. Im Januar dann zweiter Infekt, aber nur kurze Pause und es geht weiter im Rennkalender.
Am 25. Januar geht es nochmal auf eine Reitanlage. Hier in Kronenberg ist es sehr gepflegt und edel. Die Strecke ist auf fast Weltcupniveau und entsprechend wird es mit 44 Startern nochmal richtig voll. Staubwolke Christoph ist als Support mit dabei und testet den Parcours mit seinem MTB.

Am 1. Februar ist unser Rennzirkus dann mal Gast in einem Ferienpark mit Tiergehege. Wir kurven also zwischen Ziegen und Alpakas durch die Anlage und über die Spielplätze.
Letzter Lauf dann am 8. Februar nochmal in Sittard. Es wird wieder voll und mit Staubwolke Rene haben wir vorne bei den Jüngeren noch jemanden in grün am Start. Es ist sein erstes Crossrennen überhaupt und dann direkt auf dieser Strecke.

Für mich läuft es bei Sonnenschein und schön feuchtem Boden heute mal richtig gut. Vom Start an geht es Vollgas. Ich kann meine sonst üblichen Verfolger ab Rennmitte abschütteln und fahre fortan mal mit nominell schnelleren Leuten aus dem Mittelfeld. So gibt es ein ganz versöhnliches Finale (15./39.) und im Ziel sehe ich viele strahlende Gesichter.
Wir sind hier mittlerweile eine feste Gruppe von Startern aus zwei Ländern und es war wieder ein toller harter, aber immer fairer Wettstreit. Noch eine kurze Rennanalyse, ein Abfragen, was als Nächstes kommt und Hoffen auf ein Wiedersehen spätestens im Oktober.
Mit 14 absolvierten Rennen der Serie bin ich immerhin in der Gesamtwertung vertreten.
Kaum haben wir die Rennstrecke verlassen, starten die Kinder- und Jugendrennen mit wieder bis zu 80 Teilnehmern. Vielleicht stehen ja in der nächsten Saison mal wieder kleine oder weitere große Staubwolken an der Startlinie?




















